Hafenlogistik: Das Geschäft mit Containern





Über die internationale Container-Branche

Von Helge Stroemer (Text, Redaktion), David Reimers (Video) 


Der Hafen ist stark von der globalen Wirtschaft abhängig. Die lukrative Containervermieter-Branche in Deutschland hat in den letzten Jahren die Finanzkrise deutlich zu spüren bekommen. Jetzt werden die Geschäfte in den USA und Asien gemacht - und die meisten Jobs vergeben. 

Die großen Stahlboxen werden wie Legosteine übereinander gestapelt. Die Motoren der Containerstapler dröhnen. Dieselgeruch liegt in der Luft. Im Leercontainerdepot in der Peutestraße in Hamburg-Veddel werden die Container für die weitere Vermietung an Reedereien bereitgestellt, zu den wartenden Lastwagen transportiert oder repariert. 

Die Fahrzeuge können mithilfe der breiten Greifarme die 2,60 Meter hohen Stahlkisten neun Lagen hoch aufeinander stellen – über 20 Meter hoch. Carsten Seier, 48, passt auf, dass ihn nicht ein Fahrer eines der mächtigen Hebemaschinen übersieht, die hier auf der Abstellfläche hin und her sausen.

Seiers Job ist es, die Container zu verwalten, die hier hereinkommen und wieder hinaus in die Welt gehen. Das macht er aber nicht vom Depot aus. Sein Arbeitsplatz liegt in einem Büro in der Hamburger City. Sein Arbeitsgerät ist der Computer und sein Hauptkommunikationsmittel ist die E-Mail.

Vom Groß- und Einzelhandelskaufmann in die Schifffahrt

Seit fast 30 Jahren arbeitet Seier im Containerbereich bei Schiffsmaklern und Containervermietern. Er hat Groß- und Einzelhandelskaufmann in Kiel gelernt und die Entwicklung im Transportwesen miterlebt. 

In den späten siebziger Jahren begann der Wandel in der Schifffahrt vom traditionellen Stückgutverkehr zum Transport von Gütern in Boxen. Ohne die Stahlkisten geht im Hafen nichts mehr. Heute verlassen und erreichen rund 97 Prozent aller Stückgüter den Hafen in Containern – von Bananen bis zu Elekronik oder Spielzeug. 

Mit E-Mails werden die Aufträge und Verträge auf Englisch rund um die Welt geschickt: Singapur, Hongkong, Los Angeles. Es ist die Internationalität, die ihn an seiner Arbeit reizt. "Alles dreht sich um die Stahlbox. Überall weht der angenehme Wind des Handels, des Wandels und des Transports."

Seit Jahren steckt die gesamte Schifffahrtsbranche jedoch in der Krise. "Die fetten Jahre sind vorbei“, sagt Seier. "Heute kann sich innerhalb eines Jahres alles ändern, und die Firmen arbeiten schnell defizitär."

Er erlebt es gerade in der Hamburger Firma bei der er arbeitet. Die UES Intermodal ist insolvent. Noch vor ein paar Jahren verwaltete der Containervermieter 250.000 Stahlboxen und war die Nummer acht auf der Welt. Das Ganze wurde über Fonds finanziert. 

Das war ein gutes Geschäft mit guten Gewinnen für die Anleger. Nun ist damit Schluss. Die Schiffe bekamen keine Frachtaufträge mehr und die Container blieben leer und in den Depots.

Container-Handel: mehr USA weniger Deutschland

Im Containerdepot in Veddel werden auch weiterhin die Container an die Reedereien ausgeliefert, aber organisiert wird dieser Vorgang nicht mehr von Hamburg aus. In den deutschen Büros sind die Job-Angebote in diesem Bereich überschaubar geworden. Es gibt zwar noch Büros in Hamburg, doch das Hauptgeschäft läuft mittlerweile über Asien oder die USA. 

Textainer, Triton, CAI International, Cronos Group, TAL (Transamerica) heißen einige der großen Containervermieter. Sie bieten auf ihren Internetseiten unter Career oder Job-Oppertunities Arbeit an. 

Containerexperte Carsten Seier sieht trotzdem optimistisch in die Zukunft. Seine Erfahrung und Kontakte in diesem spezialisierten Logistikbereich bieten ihm auch in Zukunft berufliche Perspektiven.




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