Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen





Der Hafen als großer Sicherheitsbereich

Von Helge Stroemer (Text, Video), David Reimers (Video, Kamera)


Für die Sicherheit in Deutschlands größtem Exporthafen ist die Wasserschutzpolizei zuständig. Ihr Aufgabenbereich ist breit gefächert. Sie kontrollieren nicht nur die Pässe der Touristen auf Kreuzfahrtpötten, sondern sind auch Umweltsündern auf der Spur. Umweltschutz gehört inzwischen zu einer ihrer Hauptaufgaben - und Nachwuchs wird gesucht.

Polizeikommissar Thorsten Hennig löst die Leinen des Hafendienstbootes "Amerikahöft". Sein Kollege, Thorsten Schulz, sitzt im Steuerhaus und wendet das Boot. Die Fahrt startet von Hamburg-Waltershof aus und geht zunächst in Richtung Landungsbrücken.

Die Beamten des Wasserschutzpolizeikommissariats 1 schauen während ihrer Patrouillenfahrt durch ihre Ferngläser. Sie haben die Barkassen im Blick. Denn die dürfen nicht mit Personen überladen sein. Und sie beobachten Sportboote, die sich an die Verkehrsregeln auf der Elbe halten müssen. Die Polizisten wollen Präsenz zeigen. "Das ist wie im Straßenverkehr, da achten die Leute auch darauf alles richtig zu machen, wenn sie eine Streife sehen", sagt Hennig.

Die Aufgabenbereiche der Wasserschutzpolizei sind so breit gefächert, dass sich die Beamten über mangelnde Arbeit während ihrer Zwölf-Stunden-Schichten nicht beschweren können. Sie sind auf dem Wasser zuständig, aber auch an Land.

Vor allem ist der Hafen nämlich eins: ein riesiger Sicherheitsbereich. Zwar ist es erlaubt, mit dem privaten Pkw durch den Hamburger Freihafen zu fahren. Doch die Fahrt endet vor den Toren der Containerterminals der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) oder Eurogate.

Neugierige haben hier nichts zu suchen. Es ist zu gefährlich. Über 12 Meter hohe Van-Carrier sausen über die Kaianlagen. Außerdem gelten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 neue Anti-Terror-Vorschriften.

Umweltschutz im Hafen

Die Wasserschutzpolizei hat eine eigene kriminalpolizeiliche Abteilung und kontrolliert Gefahrguttransporte. Beamte fliegen auch regelmäßig mit dem Hubschrauber die Elbe entlang, um auch aus der Luft Umweltdelikte zu erkennen.

"Maritimer Umweltschutz gehört zu unseren elementaren Aufgaben", sagt Olaf Frankowski, 50, Ingenieur und stellvertretender Leiter der Behörde.

Es gibt Umweltsünder, die Öl auf hoher See verklappen. "Anhand der Buchlage kann ich errechnen, ob es Fehlmengen gibt", sagt Hennig. Eine technische Ermittlungsgruppe kommt dann an Bord der Schiffe. "Die finden immer irgendwelche unerlaubten Leitungen", so Hennig. Auch die Betankung der Schiffe, das Bunkern, wird überprüft, um eine Verunreinigung des Hafens mit Treibstoff zu vermeiden.

Luxusliner im Hafen

Seitdem immer mehr Kreuzfahrtschiffe den Hamburger Hafen anlaufen, müssen auch diese Schiffe kontrolliert werden. Die Kreuzfahrtpötte haben bis zu 3000 Personen an Bord. "Jedes Schiff wird von uns grenzpolizeilich abgefertigt. Wir kontrollieren im Jahr auf allen möglichen Schiffen eine halbe Million Personen", sagt Olaf Frankowski. "Die Abfertigung muss man sich wie auf einem Flughafen vorstellen."

Nachwuchs gesucht: gute Chancen für Seeleute

Die unterschiedlichen Aufgaben erfordern von den Beamten eine immer höhere Spezialisierung. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht, der sich im Maschinenraum oder auf einer Schiffsbrücke auskennt. 

Die Beamten kennen sich auf den dicken Pötten aus, weil viele von ihnen selbst zur See gefahren sind.

Thorsten Hennig, 44, ist seit 1997 beim Wasserschutz tätig. Er schloss eine Lehre als Wasserbauwerker auf der Elbe ab. Danach war er zehn Jahre lang bei der Bundesmarine, sechs Jahre davon im nautischen Dienst mit Einsätzen im Mittelmeer und im Atlantik.

Vor seiner Karriere bei der Wasserschutzpolizei schloss Olaf Frankowski ein Ingenieursstudium in Warnemünde an der Technischen Hochschule ab. Danach fuhr er in der Hochseefischerei zur See und lernte die unterschiedlichsten Schiffstypen kennen. "Mir kann an Bord der Schiffe keiner groß was vormachen", sagt Frankowski.

Für Hennig ist der Dienst bei der Wasserschutzpolizei ein Traumjob. Wenn es um die Kehrseite des Berufs geht, wird er jedoch wortkarg. Wasserleichen aus dem Hafen zu fischen, ist kein Vergnügen.




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