Ein Schifffahrtskaufmann und ein Quereinsteiger

Zwei Wege in die Schifffahrtsbranche, Teil 1

Von Helge Stroemer
Mangelnden Mut kann den beiden 30-Jährigen keiner vorwerfen: Alexander Tebbe und Lucius Bunk kauften mitten in der Schifffahrtskrise drei Frachter.
Tebbe hat Schifffahrtskaufmann gelernt. Bunk ist als Quereinsteiger in die Branche gekommen. Sein Vorteil: Er spricht fließend chinesisch. Das sind beste Voraussetzungen, um in China Fuß zu fassen. Eine ungewöhnliche Geschichte über zwei Jungunternehmer.


Im Büro von Auerbach Schifffahrt in der Esplanade im Herzen der Hansestadt hängt eine große Weltkarte an der Wand. Darauf haften drei rote Magnete. Sie zeigen, wo die drei Frachter des jungen Unternehmens gerade unterwegs sind. Auerbach Schifffahrt, das sind Alexander Tebbe (31) und Lucius Bunk (34). Ihre drei Schiffe heißen Maple Ingrid, Maple Lotta und Maple Lea und die Magnete schoben sie schon auf Singapur, Houston oder Freetown (Sierra Leone).

Noch haben die beiden im Vergleich zu anderen Reedereien eine Mini-Flotte. Am Ballindamm an der Hamburger Binnenalster residiert zum Beispiel die Traditionsreederei Hapag-Lloyd, deren Flotte 150 Schiffe umfasst.

Aber ihr unternehmerischer Schneid hat sich herumgesprochen. Denn während die gesamte Schifffahrtsbranche weltweit unter zu vielen Schiffen und mangelnder Auslastung ächzt, gründen die beiden 2010 ein Schifffahrtsunternehmen.

Sie nutzten die Krise für ihr Vorhaben, denn Schiffe sind jetzt günstig zu haben. Ein idealer Einstiegszeitpunkt in den Markt. Zuvor mussten sie aber einige Klippen umschiffen.

Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann und Studium in London
Alexander Tebbe stammt aus Haren an der Ems und machte eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann bei der "Oldenburg-Portugiesischen Dampfschiffs-Rhederei" mit Sitz in Hamburg. Seine Haare sind mit Gel gestylt und stehen nach oben und zur Seite ab, was ein bisschen frech aussieht.

Danach sammelte er in den USA und in Großbritannien erste Erfahrungen im Schiffsmakler- und Reedereigeschäft. Er studierte an der Cass Business School in London mit dem Schwerpunkt Schiffsfinanzierung.

Nach dem Studium arbeitete er bei der Hamburger Reederei Ernst Russ in den Bereichen Frachtderivate und Schiffsfinanzierung. Im Anschluss leitete er als Geschäftsführer den Schifffahrtsbereich eines Hamburger Emissionshauses (s. Extra-Info), wo er neben dem Fondsmanagement auch für neue Schifffahrtsprojekte zuständig war.


Mit Volkswirtschaft, Philosophie und Chinesisch zum Reeder

Während Tebbes Antworten spontan heraussprudeln, wirkt sein Geschäftspartner nicht nur äußerlich zurückhaltender. Auf die Frage, welche Berufsbezeichnung er eigentlich habe, macht Lucius Bunk eine lange Pause. Er habe VolkswirtschaftPhilosophie und Chinesisch studiert. In die Schifffahrtsbranche sei er als Quereinsteiger gekommen. Er wirkt nachdenklich. Vielleicht liegt es daran, dass er sich mit dem chinesischen Philosophen Konfuzius beschäftigt hat.

Nach dem Studium an den Universitäten Edinburgh und Hongkong stellte Lucius Bunk die Weichen seiner Karriere Richtung Asien. Ein Sinologiestudium in Heidelberg und Shanghai brachte ihm nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch ein Verständnis für das moderne China.

Bei der Hamburger Reederei Ernst Russ erlernte er im Anschluss an seine Studien im Rahmen eines Management-Programms das Schiffshandwerk. Als Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Ernst Russ (Far East) leitete Lucius Bunk das Büro in Shanghai und konnte so reichlich Erfahrung sammeln. Er war für Neubauprojekte zuständig und baute Kontakte zur chinesischen Schiffsindustrie auf. 

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