Zwei Wege in die Schifffahrtsbranche, Teil 2

Abenteuer Schiffsfinanzierung

Langfristige Strategien bevorzugt

In den letzten Jahren wären die angloamerikanischen Einflüsse sehr groß gewesen. Man habe sehr viele Neugründungen gesehen, die das schnelle Reichwerden propagiert hätten, so Alexander Tebbe.

Auerbach Schifffahrt geht es aber um eine langfristige Strategie und um hanseatische Tugenden wie Ruhe bewahren, nachdenken und handeln. "Den Abschluss per Hand besiegeln, und dann kann man immer noch sehen, wie man es in eine vertragliche Form gießt. Wir durften das schon ein paar Mal auch mit sehr hohen Geldsummen erleben", so Lucius Bunk.

Doch sie mussten erst einmal eine Bank finden, die ihnen Geld gibt. Beim Schiffskauf geht es um hohe Beträge.
"Wir waren bei zehn Banken. Wir hatten zehn nette Gespräche, zehn Mal bekamen wir warmen Kaffee und zehn Mal den Schulterklopfer: Man könne sich zwar vorstellen das elfte Schiff zu finanzieren, aber bestimmt nicht das erste", erzählt Tebbe.

Doch die Zeit drängte, denn sie bekamen einen Frachter aus einer Insolvenz für 10 Millionen Euro angeboten. Sie mussten schnell handeln, denn neu war das Schiff über 20 Millionen Dollar wert.

Die beiden hatten Glück, denn die elfte Bank, eine regionale norddeutsche Bank sagte ihnen das Geld zu. Tebbe schmunzelt, wenn er sich an die erste Begegnung erinnert: "Als wir hereinkamen, hat der Banker erst mal laut gelacht. Da kommen zwei junge Typen und wollen ihm erzählen, wie Schifffahrt funktioniert."

Nach einem zweistündigen Gespräch und zwei Tagen Bedenkzeit ließ sich die Bank jedoch auf die Finanzierung ein. Allerdings wollte sie ihnen nicht das Eigenkapital vorfinanzieren. Vier Millionen Euro mussten Tebbe und Bunk nun in vier Wochen zusammenbekommen.

Sie knüpften an die zuvor aufgebauten Kontakte an und gewannen tatsächlich acht Investoren für die Finanzierung. Aber auch das passte in ihr Konzept.

Denn anstatt Eigenkapital bei anonymen Privatanlegern über Schiffsfonds einzutreiben, wie es häufig üblich ist, suchten sie Gesellschafter. "Wir wollten unternehmerisch denkende Kaufleute an unserer Seite haben", sagt Bunk.

Die Idee: Stückgutfrachter statt Containerschiffe

Im März 2011 wurde das erste Schiff, die Maple Ingrid, übernommen. Es ist ein Stückgutfrachter, Baujahr 2005, der mit Stahlplatten und Stahlträgern, mit einfachen Generatoren oder Baumstämmen unterwegs ist. 

Es sind Dinge, die zwischen Schwellenländern transportiert werden. Zuletzt wurden 225.000 Säcke Reis von Montevideo nach Dakar gefahren. Auerbach Schifffahrt setzt nicht auf Containerschiffe, sondern auf Stückgutfrachter, die in AsienAfrika und Südamerika noch sehr gefragt sind. 

"Wir transportieren Dinge, die die Menschen in der Welt fürs einfache Leben brauchen. Das ist deutlich weniger abhängig von der Konjunktur", sagt Tebbe.
Auch für das zweite und dritte Schiff ihrer kleinen Flotte haben sie jeweils zehn Millionen Euro bezahlt. Im Neubau wären sie bis zu 30 Millionen Dollar wert

Diese beiden Schiffe haben stärkere Kräne und können auch schwere Generatoren, Windmühlenblätter, große Baufahrzeuge oder Jachten transportieren. "In diesem Segment wollen wir weiter wachsen", so Bunk. 

China im Blick

Dafür stellten sie zwei Mitarbeiter ein und holten sich zwei Werkstudenten ins Büro. Ein weiteres Ziel ist die Eröffnung eines Büros in Shanghai. Regelmäßig fliegen sie nach China, um entsprechende Möglichkeiten auszuloten. Das Ziel von Auerbach Schifffahrt ist es, in fünf Jahren zehn Schiffe fahren zu lassen. 

"Wenn man die Weltkarte sieht, und dann sind da eigene Schiffe unterwegs, und die transportieren Ladung von A nach B. Das ist einfach fantastisch. Die Ladung hat ja auch eine Geschichte, weil sie irgendwo produziert worden ist. Wenn sie dann über die Weltmeere fährt und wird konsumiert oder verbaut, macht das wahnsinnig viel Freude", sagt Bunk. Die sieben roten Magnete liegen schon mal in der Schublade bereit.

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