Industriekleber im Automobilbau

Für den Leichtbau weltweit tätig

Von Luisa Tauschmann

Er ist jung, erfolgreich und arbeitet mit den großen Automobilherstellern zusammen: Konrad Becker studierte Luft- und Raumfahrttechnik und ist als Business Development Manager Composite international tätig.
Henkel Industriekleber im Automobilbau – das ist für die Allgemeinheit ein eher unbekannter Geschäftsbereich. Aus der Werbung kennt man das Unternehmen vor allem für seine Wasch- und Reinigungsmittel.

Der 31- Jährige beschäftigte sich in dem Unternehmen zunächst drei Jahre mit der Klebstoffforschung, bis er 2013 den Bereich wechselte. Seitdem ist er im globalen Automotive-Geschäft tätg. Was es damit auf sich hat, verrät er in diesem Interview.

Welche Aufgaben übernehmen Sie in Ihrem Beruf?
Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Forschung, Marketing und Vertrieb. Meine Aufgabe als Business Development Manager ist es, das Produktportfolio für die Composite-Anwendungen (s. Info rechts) mit zu entwickeln und im Markt erfolgreich zu etablieren.
Wir entwickeln komplexe Harz- und Klebstofflösungen für Leichtbaustrukturen in der Automobilbranche. Das kann zum Beispiel ein Klebstoff sein, mit dem eine Tür oder ein Dach an ein Auto geklebt wird.

Dabei arbeite ich ganz nah am Kunden. Ich präsentiere zum Beispiel zusammen mit den Vertriebskollegen unsere Lösungen direkt beim Kunden vor Ort und stehe im engen Austausch mit den Produktionsmitarbeitern und Technikern des jeweiligen Unternehmens.
Gemeinsam entwickeln wir die Composite-Lösungen schrittweise weiter, sodass am Ende eine speziell auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene Lösung verkauft wird. Am ehesten könnte man meinen Job mit dem technischen Vertrieb vergleichen.

Studium der Luft- und Raumfahrttechnik

Henkel Industriekleber im Automobilbau roding roadster
Leicht und hochfest - das Karbon-Dachsegment des Leichtbau-Sportwagens Roding Roadster R1 (Gewicht 950 kg).

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern konkret vorstellen?
Die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern ist ein ständiger Kreislauf. Wir identifizieren die Bedürfnisse der Kunden und erarbeiten maßgeschneiderte Lösungen, die wir präsentieren. Dann beginnt die Phase der Implementierung.

Wir führen direkt beim Kunden oder bei uns im Technikum Versuche durch, auf deren Basis wir das Produkt weiterentwickeln. Ich begleite diesen Prozess und bin der technische Ansprechpartner für Probleme oder Fragen. Wir arbeiten mit vielen großen Automobilherstellern weltweit zusammen. Diese Vielfalt und den Kundenkontakt finde ich besonders spannend.

Welche Ausbildung haben Sie?
Ich habe Luft- und Raumfahrttechnik an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen (RWTH) studiert und 2010 meinen Abschluss als Diplom-Ingenieur gemacht.
Schon als Kind war ich vom Fliegen fasziniert und wollte verstehen, wie diese Technik funktioniert. Seit September 2013 absolviere ich, parallel zu meinem Job bei Henkel, einen Master of Business Administration an der WHU Otto Beisheim School of Management.

Mir ist es wichtig, über meine technische Ausbildung hinaus fundierte Wirtschaftskenntnisse zu erwerben, um mich noch besser für die nicht-technischen Herausforderungen meines Berufs zu qualifizieren. 

Sie haben Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Warum haben Sie sich eigentlich für Henkel entschieden und nicht für Airbus oder Lufthansa Technik?
Ich habe mich in meinem Studium schwerpunktmäßig mit den Themen Aerodynamik und Leichtbau befasst. Das sind Fachgebiete, die nicht nur in der Luftfahrt, sondern in der gesamten Mobilitätsbranche sehr gefragt sind.
Als Düsseldorfer bin ich mit dem Unternehmen Henkel quasi aufgewachsen, auch weil ein Mitglied meiner Familie seit vielen Jahren hier arbeitet.

Während meines Studiums war ich unter anderem auch als Werkstudent in der Abteilung tätig, in die ich später eingestiegen bin. In der Zeit haben wir an der Entwicklung einer völlig neuen Technologie gearbeitet. Das war für mich mit ausschlaggebend. Die Vorstellung, etwas völlig Neues zu entwickeln, hat mich fasziniert.


Voraussetzungen und Karriere in diesem Job

Welche Voraussetzungen muss ein junger Mensch für diesen Job mitbringen? 
Vieles lernt man "on the Job", aber gewisse Grundvoraussetzungen sollte man mitbringen. Dazu gehören eine hohe FlexibilitätOrganisationstalentsehr gute Sprach- und Officekenntnisse sowie natürlich eine Leidenschaft und ein besonderes Verständnis für die Technik
Die technischen Zusammenhänge muss man aber nicht nur verstehen, sondern den verschiedenen Stakeholdern auch verständlich erklären und präsentieren können
Außerdem sollte man eine Offenheit für fremde Kulturen mitbringen, denn die Automobilbranche ist extrem global. Wir arbeiten mit Automobilkunden in vielen verschiedenen Ländern zusammen, zum Beispiel in Japan und China. Und die Kulturen ticken zum Teil sehr unterschiedlich. 

Beispielsweise kann in Asien das Scheitern eines technischen Versuchs ein Projekt leicht verkomplizieren – während das in Deutschland oder den USA weniger ein Problem ist. Wenn hier ein Versuch misslingt, sucht man gemeinsam nach der Ursache und versucht es – simpel gesprochen – eben noch einmal. 
Um diese geschäftlichen und gesellschaftlichen Unterschiede zu verstehen, braucht man Sensibilität für die kulturellen Verschiedenheiten und viel Einfühlungsvermögen. 

Welche Aufstiegschancen gibt es in diesem Job?
Henkel ist ein international ausgerichtetes Unternehmen in Deutschland; das – von Kosmetik bis zu Industrieklebstoffen – eine Menge Möglichkeiten bietet, sich intern weiterzuentwickeln.
Das wird auch von meinem Arbeitgeber gefördert. Zum Beispiel durch die sogenannte Triple-Two-Philosophie. Die besagt, dass Mitarbeiter mit entsprechendem Potenzial die Möglichkeit haben, in zwei verschiedenen Funktionen – zum Beispiel Marketing und Forschung –, zwei verschiedenen Geschäftsbereichen und zwei verschiedenen Ländern zu arbeiten. 

Diese Job-Rotation bringt einen immensen Zuwachs an internationaler Erfahrung, kulturellem Wissen und persönlichen Netzwerken. Man bekommt außerdem früh Verantwortung übertragen.

Letztlich sehe ich es aber so: Eine Karriere passiert nicht durch Zufallsondern jeder ist selbst dafür verantwortlichsie voranzutreiben. Unternehmen wie Henkel bieten tolle Chancen, aber man muss sie auch nutzen. Dafür muss man aussprechen, was man erreichen will und wie. Mir werden sich durch den MBA-Abschluss, den ich gerade anstrebe, viele neue Möglichkeiten eröffnen. 

Zukunftsperspektiven und Einkommen

Henkel Industriekleber im Automobilbau
Leichtbautechnologien - hier sieht man eine faserverstärkte Blattfeder auf Basis von Polyurethan-Matrixharz.

Welche Zukunftsperspektiven bieten sich in der Branche?
Die Mobilitätsbranche ist ganz klar eine Zukunftsbranche. Besonders der Bereich der Elektromobilität wird in den nächsten Jahren stark wachsen. Globalisierung und Nachhaltigkeit sind wichtige Trends des 21. Jahrhunderts. Autos sollen zum Beispiel nachhaltiger werden und weniger CO2 verbrauchen. An dieser Stelle kommt dann der Leichtbau wieder ins Spiel: je leichter ein Auto ist, desto weniger CO2 verbraucht es. Die Nachfrage nach fähigen Ingenieuren wird auch in Zukunft hoch sein.

Wie hoch ist das Einkommen?
Das Einstiegsgehalt für Hochschulabsolventen liegt bei Henkel bei rund 44.000 Euro. Hinzu kommt ein leistungsabhängiger Bonus, der bis zu 39 Prozent des Einstiegsgehaltes betragen kann. Ich empfinde das als sehr positiv. So lohnen sich Ehrgeiz und Motivation und ich fühle mich in meinem Engagement wertgeschätzt.

Welche negativen Seiten hat dieser Job?
Ganz ehrlich: Ich fühle mich im Moment sehr wohl und sehe nichts Negatives an meinem Job. Natürlich muss man bedenken, dass ich jung und ungebunden bin. Das viele Reisen beansprucht einen körperlich und psychisch. Man muss ein bestimmter Typ Mensch sein, um das zu mögen.

Die Luftfahrt ist meine Leidenschaft und ich fliege gerne, daher habe ich damit kein Problem. Aber natürlich ist der Job nicht nur mit Spaß verbunden. Es steckt viel harte Arbeit dahinter und die Projekte bringen viel administrativen Aufwand mit sich.

Was raten Sie jungen Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren?
Es ist wichtig, früh Praxiserfahrung zu sammeln. Egal ob durch ein Praktikum, eine Werkstudentenstelle oder eine Abschlussarbeit der frühe Kontakt mit Unternehmen ist von zentraler Bedeutung.
Nur so lernt man die Konzernstrukturen und Arbeitsweisen in der freien Wirtschaft kennen. Ich empfehle jungen Menschen, offen zu sein für neue Fachrichtungen – besonders für den Bereich der Betriebswirtschaftslehre.
Ich selbst merke durch mein MBA-Studium gerade wie spannend und wertvoll es ist, Einsicht in einen nicht-technischen Bereich zu gewinnen. Außerdem sollte man eine sehr hohe Affinität zum Ausland und eine Leidenschaft fürs Reisen haben.

 

 




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