Als Unternehmensberaterin in der Textilwirtschaft

Unternehmensberaterin: Ausbildung, Voraussetzungen und Arbeitsalltag

Verena Örenbas, 32, arbeitet bei der Kölner Inverto AG, die auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisiert ist. Die Unternehmensberaterin ist vor allem für Projekte bei Handelskunden verantwortlich, sehr häufig im Bereich Category Management. Sie konnte zügig beruflich aufsteigen und berät führende Handelsunternehmen und deren strategische Ausrichtung.

Wie ihr Job als Unternehmensberaterin in der Textilwirtschaft und in der Fashion-Welt aussieht, und wie wichtig die Auswahl der richtigen Sortimente und die Qualität des Einkaufs sind, erklärt sie hier:

Welche Ausbildung haben Sie?
Ich bin Diplom Juristin und habe an der Universität zu Köln studiert. Während meiner beruflichen Laufbahn habe ich dann ein MBA Studium begonnen.

Was war der Grund, sich für diesen Beruf zu entschieden?
Ich habe Jura studiert und wollte mich im Bereich Betriebswirtschaft umorientieren. Schon nach kurzer Zeit bin ich dann beim Handel "hängen geblieben". Der Bereich hatte mich schon immer interessiert. Ich finde es faszinierend, wie schnell sich hier alles verändert. Es ist ein stetiger Wandel, der sich an den Kundenbedürfnissen orientiert.

Kleine Entscheidungen des Managements können ausschlaggebend sein, ob ein Handelsunternehmen erfolgreich ist oder nicht. Gerade die Auswahl der richtigen Sortimente verbunden mit der Qualität des Einkaufs ist dabei sehr wichtig. Bei diesen Entscheidungen große Unternehmen zu beraten, fand ich eine Herausforderung.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Ich arbeite seit fast sieben Jahre für das Unternehmen (seit fünf Jahren in leitender Funktion). Meist sind wir von Montag bis Donnerstag bei unserem Kunden vor Ort. Wir arbeiten sehr "umsetzungsorientiert". Die Strategien, die wir entwickeln, setzen wir gemeinsam auch in Ergebnisse um. Die Teams sind aus Angestellten unseres Kunden und aus unseren Beratern zusammengesetzt.

Bei den Category Management Projekten erschließen wir gemeinsam Umsatz- und Rentabilitätspotenziale durch verbrauchernahe Gestaltung der Sortimente. Gerade im Modehandel ist es wichtig, sich in den Endkunden hineinzuversetzen, denn dieser ist heutzutage anspruchsvoll.
Er geht nicht mehr nur in einen Shop, um einen Pullover zu kaufen. Er ist auf der Suche nach Inspirationen, um sein Lebensgefühl durch Mode ausdrücken zu können oder möchte ein Einkaufserlebnis geboten bekommen. Doch was bedeutet dies für den Händler? Was muss dieser tun, um den Bedürfnissen seiner Kunden zu begegnen?

Zu Beginn des Category Management-Prozesses analysieren wir gemeinsam mit unseren Kunden deren derzeitige Situation und decken Optimierungspotenziale in den Sortimenten auf. Hierbei haben wir immer den Endverbraucher und dessen Bedürfnisse im Blick.

Im Rahmen der Analyse stellen wir uns folgenden Fragen:
•    Welche Produkte laufen bei dem Kunden besonders gut, welche
      besonders schlecht?
•    Wie unterscheidet sich das Sortiment von den Sortimenten der
      Wettbewerber und wie kann sich der Händler vom Wettbewerb
      differenzieren?
•    Wo liegen Potenziale zur Verbesserung des Sortiments oder der
      Positionierung einzelner Artikel und Warengruppen im Shop?
•    Wie können Ziele wie z.B. höhere Durchschnittsbons oder stärkere
      Kundenbindung erzielt werden?

Anschließend definieren wir die durchzuführenden Maßnahmen zur Optimierung der Sortimente, wie z. B. Aus- und Einlistungen oder Umbauten und führen Ausschreibungen und Markenverhandlungen mit den Lieferanten durch.
In anderen Projekten wird das Category Management strategisch neu aufgestellt bzw. ein Category Management eingeführt oder es finden Coachings der Mitarbeiter statt. Das richtet sich ganz nach der Problemstellung bei unseren Kunden und dessen Anforderungen.

Welche Voraussetzungen muss ein junger Mensch für diesen Job mitbringen?
Neugier auf Produkte und Zusammenhänge gepaart mit dem Willen, sich tief in diese Themen  einzuarbeiten. Das gilt für die jeweilige Kundensituation genauso wie für die Sortimentsstruktur. Weitere Eigenschaften sind aus meiner Sicht: Engagement, analytische Fähigkeiten, Kommunikations- und Verhandlungsstärke, sowie idealerweise ein Gespür für Märkte und Trends.
Zudem darf man operative Arbeit nicht scheuen – wir setzen mit unseren Kunden die Projekte um und planen sie nicht nur strategisch. Wer Angst hat, seine Ideen in die Tat umzusetzen, ist in diesem Job falsch.

Welche Aufstiegschancen gibt es in diesem Job?
Große! Die Beratung sucht immer neue, junge Talente und bietet dafür die Möglichkeit, sich schnell zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Ich habe selbst sehr schnell Karriere gemacht und darf heute mit CEO’s führender Handelsunternehmen über die strategische Ausrichtung im Bereich Category Management und den Sortimentsmix diskutieren. Mit persönlichem Einsatz und Lernbereitschaft kann man aus meiner Sicht gerade in der Beratung sehr gut beruflich aufsteigen.

Welche Zukunftsperspektiven bieten sich in der Modebranche?
Der Handel unterliegt stetigem Wandel. Trends sind immer kurzlebiger, vor allem im Fashion-Bereich. Daher müssen sich Handelsunternehmen ständig neuen Herausforderungen stellen. Ohne Unternehmensberater können dies die wenigsten Händler über Jahrzehnte leisten – man braucht halt manchmal den Blick von Außen und den richtigen Anstoß.
Gerade im Bereich Einkauf und Category Management ist dies der Fall – weil der Einfluss der Sortimente maßgeblich für den Erfolg des Gesamtunternehmens ist. Ich sehe daher eine sehr gute Zukunft in diesem Bereich.

Gibt es auch negativen Seiten in diesem Job?
Es ist ein hoher Reiseaufwand erforderlich – wir arbeiten ja beim Kunden vor Ort. Ebenso sind zeitweise Überstunden erforderlich, wenn Projekte zeitnah abgeschlossen werden müssen. Ich fand beides jedoch nie sehr störend – schließlich will man meist gerade als Berufseinsteiger möglichst viel lernen und sehen. Dies hat für mich die Nachteile aufgewogen.

Wie hoch ist das Einkommen?
Das Einstiegsgehalt bei der Inverto AG liegt im Branchendurchschnitt. Bachelor- und Master-Absolventen steigen jeweils auf einer festgelegten Gehaltsstufe ein, die sich aus einem fixen und einem leistungsabhängigen, variablen Anteil zusammensetzt. Der variable Anteil liegt knapp über 10 Prozent.

Was raten Sie jungen Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren?
Im Studium ist es ratsam, in die Beratung hineinzuschnuppern. Idealerweise durch ein Praktikum oder einen Studentenjob. Hierdurch kann man am ehesten einschätzen, ob das Anforderungsprofil der Beratung wirklich zu einem passt.
Wer sich zudem für den Bereich Category Management interessiert, sollte einfach beim nächsten Einkauf die "Augen offen halten". Es ist nie zu früh, sich damit zu beschäftigen, wie Sortimente aufgebaut sind, welche neuen Trends es gibt und warum und wie Kaufentscheidungen getroffen werden.

(Bearbeitung: Helge Stroemer)

Stories und Infos aus der Berufswelt Mode & Textil

Einblick

Paris, London oder New York - das sind die klassischen Mode-Metropolen. Auch wenn Berlin aufholt, "Made in Germany" ist in der Textilbranche eher durch die "Technischen Textilien" bekannt. Mehr...

Einblick - Studium

Bei berühmten Modemarken arbeiten oder sogar die eigene Kollektion auf dem Laufsteg zeigen: Davon träumen viele Modedesigner. Vorher muss man aber erst lernen, wie es geht. Über ein Studium an einer Modeakademie. Zu den Videos...

Praktikum in New York

Die US-Amerikanerin Alexandra Dally berichtet über ein Praktikum bei einem Modedesigner in New York und die deutlichen Unterschiede zur deutschen Arbeitsweise. 
Zum Video...

Kommunikation

Ein Ziel in der Mode- und Textilbranche ist es, immer wieder neue Trends zu kreieren. Damit Mode aber auch verkauft wird, müssen sich Modeunternehmen nach außen präsentieren. Über Öffentlichkeitsarbeit...

Unternehmensberaterin in der Textilwirtschaft

Business

Wie wichtig die Auswahl der richtigen Sortimente und die Qualität des Einkaufs sind, erklärt Verena Örenbas. Sie ist als Unternehmensberaterin in der Textilwirtschaft  tätig. Zum Interview...