Einblick in die Modebranche, Teil 1

Made in Germany - Technische Textilien

Von Luisa Tauschmann

Paris, London, Mailand oder New York - das sind die Fashionmetropolen der Modeszene. Dort ist schon immer High Fashion angesagt. Deutschland gehört nicht zu den klassischen Modeländern, auch wenn Berlin sich mittlerweile durch die "Fashion Week" als wichtige Modestadt etablieren konnte. 

Dennoch ist Made in Germany in der Textilbranche weltweit gefragt. Ein Grund dafür sind vor allem die "Technischen Textilien" – hier ist Deutschland Marktführer

Die Branche steht aber auch unter massiver Kritik, da die Angestellten in einigen Produktionsländern teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Die Unternehmen müssen reagieren, weil immer mehr Konsumenten wissen wollen, wo und besonders wie die Textilien hergestellt werden. 

Wir verbinden ganz selbstverständlich den Begriff Textil mit unserer Kleidung oder mit Haushaltsgegenständen wie Teppichen oder Vorhängen. Doch Textilien sind mehr als Blusen, Röcke oder Pullover. Die einzelnen Fasern, die durch verschiedene Techniken zu einer Fläche, zu einem Textil verknüpft werden, sind auch in vielen anderen Bereichen von großer Bedeutung. 

In der Luft- und Raumfahrttechnik werden sie zum Beispiel in den Tragflächen der Flugzeuge verarbeitet und ermöglichen dem Flugzeug überhaupt zu fliegen. Im Landschaftsbau nutzt man sie für den Hochwasserschutz, um Böschungen beim Deichbau zu stabilisieren.

Sogar beim Häuserbau werden sie eingesetzt. Textilbewährter Beton enthält Textilien statt Stahl. Dadurch ist er leichter und rostet nicht. Textilien werden aber auch in der Umwelt- und Energietechnik, im Gesundheitswesen sowie im Transport- und Verkehrswesen eingesetzt. 

Einblick in die Modewelt.jobaspekte.de
Mit Bekleidung lässt sich Geld verdienen. Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist nach der Lebensmittelbranche die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland. Foto: Thomas Grimm

Gute Zukunftsaussichten, aber Konkurrenz durch Billigimporte

Laut Angabe des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie ist die Branche die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland (nach der Lebensmittelwirtschaft) und beschäftigt über 120.000 Mitarbeiter im Inland. Weltweit arbeiten circa 280.000 Menschen für deutsche Unternehmen.

Besonders die Forschung auf diesem Gebiet und die Entwicklung innovativer technischer Textilien (s. Extra-Info) und textiler Verbundstoffe, führte zur hohen Exportquote von 43 Prozent. 

Damit liegt Deutschland laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im internationalen Vergleich auf Platz drei, nach China und Italien. Das zeigt, dass weltweite Interesse und bescheinigt der Branche scheinbar gute Zukunftsaussichten. Dennoch wächst der Druck vor allem in der Bekleidungsindustrie durch Billigimporte aus dem Ausland.

Katastrophale Arbeitsbedingungen sorgen für Schlagzeilen
Zudem bedeutet Made in Germany nicht immer, dass ein Produkt tatsächlich "made" in Germany ist. Die meisten Unternehmen produzieren in Ländern wie Bulgarien, Türkei oder Rumänien sowie in Asien, da die Kosten dort deutlich günstiger sind.

Das führt auf der einen Seite dazu, dass die Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten in Deutschland sinkt. Auf der anderen Seite steht die Branche unter massiver Kritik, da die Angestellten vor allem in Asien teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen.
Dazu zählen 14-Stunden-Schichten, kaum Pausen und ein minimales Gehalt. Nicht selten müssen Kinder in den Fabriken schuften, damit die Familie überleben kann. Brände in Fabriken mit vielen Toten aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen sorgen für Entsetzen bei den Konsumenten.

Trendy - umweltfreundlich hergestellte Textilien

Auch die Kritik an der hohen Umweltbelastung führt dazu, dass die Branche sich langsam wandelt. Immer mehr Konsumenten wollen wissen, unter welchen Bedingungen ihre Kleidung hergestellt wird und so setzen viele Unternehmen auf eine nachhaltige Produktion. Dazu gehören zum Beispiel Kleidungsstücke aus umweltfreundlich hergestellten Textilien. 

Der Trend zeigt sich auch bei den großen Unternehmen. So sind H&MC&A oder Nike mittlerweile die größten Abnehmer von Biobaumwolle. Wurde der so genannten Öko- oder Bio-Mode früher noch vorgeworfen, dass die nachhaltige Produktion auf Kosten des Designs geht, so kann Mode heute umweltfreundlich produziert werden - und gut aussehen. Vor allem deutsche Unternehmen zählen hier zu den Vorreitern.

Hier geht's zum zweiten Teil - über Ausbildung und Karriere in der Mode- und Textilindustrie und das Einkommen in der Modebranche?



Stories und Infos aus der Berufswelt Mode & Textil

Einblick

Paris, London oder New York - das sind die klassischen Mode-Metropolen. Auch wenn Berlin aufholt, "Made in Germany" ist in der Textilbranche eher durch die "Technischen Textilien" bekannt. Mehr...

Einblick - Studium

Bei berühmten Modemarken arbeiten oder sogar die eigene Kollektion auf dem Laufsteg zeigen: Davon träumen viele Modedesigner. Vorher muss man aber erst lernen, wie es geht. Über ein Studium an einer Modeakademie. Zu den Videos...

Praktikum in New York

Die US-Amerikanerin Alexandra Dally berichtet über ein Praktikum bei einem Modedesigner in New York und die deutlichen Unterschiede zur deutschen Arbeitsweise. 
Zum Video...

Kommunikation

Ein Ziel in der Mode- und Textilbranche ist es, immer wieder neue Trends zu kreieren. Damit Mode aber auch verkauft wird, müssen sich Modeunternehmen nach außen präsentieren. Über Öffentlichkeitsarbeit...

Unternehmensberaterin in der Textilwirtschaft

Business

Wie wichtig die Auswahl der richtigen Sortimente und die Qualität des Einkaufs sind, erklärt Verena Örenbas. Sie ist als Unternehmensberaterin in der Textilwirtschaft  tätig. Zum Interview...