NEWS

Studie: Sorgt gesetzlicher Mindestlohn für weniger Praktikumsplätze?

erstellt von jobaspekte | 30.05.2014

Befragt wurden Personalverantwortliche aus 570 Unternehmen. Das Ergebnis ist alarmierend. Können sich Firmen bald keine Praktikanten mehr leisten?

Ohne Praktikumserfahrungen haben es junge Menschen schwer, in den Arbeitsmarkt zu gelangen. Foto: Thomas Grimm, Hamburg.

 

Mit 46 Prozent möchte fast die Hälfte der Unternehmen künftig auf Praktikanten verzichten, während 26 Prozent lediglich mit Praktikanten arbeiten wird, die nicht nach dem geforderten Mindestlohn bezahlt werden. Sorgt die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns also für weniger Praktikumsplätze?

Die Zahl der Firmen, die ihre Praktikumsplätze zumindest reduziert, liegt bei 17 Prozent und lediglich elf Prozent der befragten Personaler gaben an, dass der Mindestlohn keinerlei Einfluss auf die Praktikumsvergabe hat.

Die gesetzliche Neuregelung beinhaltet, dass Praktikanten, die länger als sechs Wochen in einem Unternehmen beschäftigt sind und deren Praktika nicht in einem schulischen-, universitären- oder Ausbildungskontext stattfinden, mindestens 8,50 Euro in der Stunde erhalten müssen. Betroffen von dieser Regelung sind 84 Prozent der befragten Unternehmen.

Interessant ist dabei, dass die Rolle der Praktikanten durchaus über das reine Dazulernen hinausgeht. Ein gutes Drittel der Firmen (35 Prozent) gab an, dass viele Tätigkeiten nur durch die Hilfe der günstigen Arbeitskräfte zu bewältigen sind, 44 Prozent sehen erhebliche Einschränkungen durch den Wegfall von Praktikantenstellen und lediglich 21 Prozent gaben an, dass die Neuregelung keine Auswirkungen auf den unternehmerischen Erfolg haben wird.

Vergütung: 400 bis 800 Euro für ein Praktikum - bald über 1300 Euro

Zum aktuellen Zeitpunkt werden Praktika bereits in 93 Prozent der Unternehmen vergütet. Gezahlt werden allerdings nur zwischen 400 und 800 Euro brutto (67 Prozent) bzw. weniger als 400 Euro (21 Prozent). Beträge jenseits der Mindestlohngrenze werden gerade einmal von neun Prozent der Firmen freiwillig gezahlt.

Nur 1 Prozent zahlen bereits jetzt mehr als 1300 Euro (Brutto), wie es nach der neuen Regelung für Vollzeit-Praktikanten geplant ist. 

Jürgen Grenz, Geschäftsführer der index Internet und Mediaforschung GmbH, sieht in den Zahlen einen Beleg dafür, dass sich Unternehmen künftig keine Praktikanten mehr leisten können und junge Menschen noch schwerer in den Arbeitsmarkt gelangen.



Quelle: index Internet und Mediaforschung GmbH, Berlin.
Die Umfrage wurde online im Zeitraum vom 15. bis zum 21. Mai 2014 durchgeführt. Befragt wurden branchenübergreifend Ansprechpartner für Personalthemen aus Unternehmen aller Größen. Alle Unternehmen hatten in den sechs Monaten zuvor Stellenanzeigen für Praktikantenplätze veröffentlicht.

Weiterführende Beiträge bei jobaspekte zum Thema: Heute gehört ein Praktikum im Ausland für manche Jobs zum guten (Bewerbungs-)Ton. Doch nicht immer ist es einfach, einen Platz zu ergattern - besonders trifft das auf die USA zu, siehe hier: Praktikum in den USA – gut bezahlt, aber limitiert.

Einer Studie zufolge waren 2013 Praktikanten noch zufrieden (zum Beitrag: Zufriedene Praktikanten?). Ob sie es bleiben, ist fraglich. jobaspekte bleibt auf jeden Fall am Ball...


Zu den Berufswelten

Hafen & Schiffe

Häfen haben eine ganz eigene Faszination. Diese Berufswelt bietet interessante Jobs - auch wenn die Schifffahrt zurzeit in einer Krise steckt. Zum Blick hinter die Kulissen...

Medien

Allein die Bezeichnung Medien scheint viele Studierende magisch anzuziehen. Doch der Zugang in diese Branche ist nicht eindeutig geregelt. Einblicke in die Medienlandschaft...

Mode & Textil

Sie ist eine große Konsumgüterbranche: Die Textil- und Modeindustrie kreiert immer wieder neue Trends. Mehr zur Branche und übers Studium...

Mobilität

Mobilität ist ein wichtiger Aspekt unseres Lebens. Wir fahren mit dem Auto, mit der Bahn oder heben mit dem Flieger ab. Diese Berufswelt bietet eine Fülle von Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten...